Studierende auf dem Weg zur Universität

Staatsexamen in der Tasche – Was nun?

Die harten Prüfungen hinter sich gebracht, stellt sich nach dem Abschluss des Staatsexamen die Frage nach den nächsten Schritten, den eigenen Karriereweg für die Zukunft: Was nun? Über genügend Optionen können sich Juristen nicht beklagen: Soll direkt mit dem Referendariat begonnen werden? Oder strebe ich weitere Zusatzqualifikationen an wie eine Promotion oder ein LL.M. an?

So sehr gute Examensnoten ein entscheidendes Kriterium für hervorragende Möglichkeiten im Berufseinsteig sind, Unternehmen und Kanzleien achten zunehmend auch auf andere Qualifikationen und Fähigkeiten. So kann eine Promotion oder ein LL.M. das vielzitierte „Zünglein an der Waage“ sein, was die eigene Bewerbung von der Masse der anderen herausstechen lässt. Welche Voraussetzungen für die beiden Titel mitgebracht werden müssen und was sie für den Berufseinstieg bedeuten, erfahren Sie in den nächsten Absätzen.

LL.M. – Was steckt dahinter?

Was ist das eigentlich, ein LL.M.? Hinter der Abkürzung steht der Master of Laws (Legum Magister, kurz: LL.M.), ein akademischer Grad in bestimmten juristischen Bereichen. Innerhalb von zwei oder mehr Semestern kann das vorhandene Wissen in einem bestimmten Fachbereich vertieft und weiter ausgebaut werden.

Ein LL.M.-Abschlusses ist weitestgehend vergleichbar mit einem regulären Studium im Anschluss an das erste Staatsexamen. Sowohl Prüfungen als auch wissenschaftliche Arbeiten werden während des Studiums angefertigt, ebenso wie eine Masterarbeit.

Besonders für Juristen, die sich international aufstellen und ihre Sprachkompetenzen fördern wollen, ist ein LL.M. geeignet. Denn wer später in einer international agierenden Wirtschaftskanzlei arbeiten will, für den wird Englisch zur Alltagssprache. Und auch in den Stellenanzeigen für Volljuristen zeigt es sich: „Verhandlungssicheres Englisch wird vorausgesetzt“ oder „Auslandsaufenthalte erwünscht“, Zusatzqualifikationen neben dem regulären Studium sind beliebter denn je bei Arbeitgebern.

Viele Universitäten im Ausland bieten englischsprachige LL.M.-Programme an, in denen man seine Englischkenntnisse perfektionieren kann. Über die Sprachkenntnisse hinaus, schätzen Kanzleien die internationalen Erfahrungen und die Selbsterfahrung, die LL.M.-Studierende gemacht haben. Denn ein Studium im Ausland bedeutet in erster Linie Organisationstalent. Fündig werden Wirtschaftsjuristen in den USA, im Vereinten Königreich, Australien, Südafrika oder anderen Ländern. Eine ausführliche Übersicht findet sich hier.

Manche werden sich vielleicht fragen „Wieso in die Ferne schweifen?“ Auch in Deutschland gibt es renommierte LL.M.-Programme, in denen man vertiefende Kenntnisse für das deutsche Recht erlangen kann. Zudem fallen die nationalen Programme etwas kostengünstiger aus. Denn neben den Reise- und Lebenserhaltungskosten fallen an ausländischen Universitäten häufig hohe Studiengebühren an. Um den finanziellen Rahmen stemmen zu können, gibt es verschiedene Teil- und Vollstipendien. Zu nennen sind hier die Studienstiftung des deutschen Volkes, die Fullbright Kommission und der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD), die jeweils LL.M.-Stipendien anbieten.

Wer also einen Kompromiss zwischen Wissensvertiefung und wissenschaftlichen Arbeiten sucht, der sollte bei einem LL.M. Studiengang gut aufgehoben sein.

Oder doch der Doktorhut?

Ein Blick in die Promotionsordnungen der juristischen Fakultäten offenbart: Es gibt gewisse Zugangsvoraussetzungen für eine geplante Promotion. Die meisten Universitäten setzen ein Vollbefriedigend im Ersten Staatsexamen voraus. In manchen Fällen werden auch Kandidaten mit befriedigendem Examen für ein Promotionsvorhaben zugelassen, wenn andere Zusatzqualifikationen erfüllt sind. Das unterscheidet sich allerdings von Universität zu Universität.

Während der Promotion werden Kompetenzen erworben, die im Arbeitsalltag gut zu Buche schlagen: Sauberes wissenschaftliche Arbeiten, ein gutes Sprachgefühl und juristisch-kreatives und analytisches Denken. Zudem setzt eine Promotion eine gründliche und andauernde Beschäftigung mit einem bestimmten Thema voraus. Der Doktortitel gilt also als Ausdruck besonderen Wissens auf einem bestimmten Rechtsgebiet und signalisiert die Fähigkeit zu selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten aber auch Organisationstalent und Durchhaltevermögen. Wichtig ist dabei die praktische Verwertbarkeit des Dissertationsthema. Wer sich fachlich qualifizieren will, sollte das Thema nach seinen persönlichen Neigungen und dem Berufswunsch abgleichen.

Zu beachten ist, dass für die Promotion zwar neben den üblichen Lebenserhaltungskosten keine zusätzlichen Kosten anfallen, als Dauer von Beginn der Dissertation bis zum Tag der mündlichen Prüfung ungefähr zwei Jahre vergehen. Dieser Zeitraum muss selbstverständlich auch finanziell überbrückt werden; eine Promotion parallel zum Beruf bietet sich hierfür an.

Fazit: Wohin mit dem Titel?

Und damit ist nicht der Platz auf der Visitenkarte gemeint, sondern der angestrebte Karriereweg.

Wer sein Glück in Lehre und Forschung finden möchte, der ist mit dem Doktortitel als notwendige Voraussetzung zur Habilitation bestens bedient. Der LL.M. hingegen ist für potenziellen Arbeitgeber ein Indikator, dass man über gute Fremdsprachenkenntnisse verfügt, Verständnis für andere Rechtssysteme und eine gewisse Flexibilität und Anpassungsfähigkeit – und somit auch soziale Kompetenzen – mitbringt.

Viele Kanzleien verfolgen das „Zwei-aus-vier-System“: Wenn von den vier Voraussetzungen LL.M., Promotion und zwei Prädikatsexamen zwei erfüllt sind, stehen die Chancen auf einen schnellen Berufseinstieg in der Wunschkanzlei sehr gut!

Beitragsbild: Victoria Heath auf Unsplash