Souverän im Vorstellungsgespräch

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Wie Sie souverän jedes Vorstellungsgespräch meistern, erfahren Sie in diesem Beitrag von Torsten Schneider (Dirctor Human Resources).

Endlich, Sie haben es geschafft: eine Einladung zum Vorstellungsgespräch liegt vor Ihnen! Die erste Hürde zum Traumjob ist genommen. Jetzt müssen Sie noch im Vorstellungsgespräch überzeugen. Selbstverständlich ist jedes Vorstellungsgespräch individuell. Dennoch laufen die meisten Gespräche  nach einem ähnlichen Schema ab. Sie können sich also sehr gut darauf vorbereiten.

Der erste Eindruck zählt meist doppelt.

Mit einem festen Händedruck bei gleichzeitigem Blick in die Augen strahlen Sie bereits am Anfang Selbstbewusstsein und Zuversicht aus.

„Möchten Sie einen Kaffee, Tee oder Wasser?“, so beginnen die meisten Jobinterviews. Häufig wird noch kurz über die Anreise geplaudert. Mit diesem Warm-up will Ihr Gesprächspartner eine freundliche Beziehung zu Ihnen aufbauen und die Atmosphäre auflockern.

Praxistipp

Nutzen Sie diese Aufwärmphase, um die eigene Anspannung zu lösen. Wenn Sie etwas Besonderes bei der Anreise erlebt haben, erzählen Sie es ganz locker. Werden Sie dabei jedoch nicht ausschweifend. Schließlich sind Sie nicht zum Small Talk angereist.

Bloße Fakten überzeugen selten.

Zu Beginn des eigentlichen Interviews stellen sich die Gesprächspartner in der Regel kurz vor. Die Meisten erzählen, wo sie studiert haben, wie lange sie im Unternehmen sind, was sie vorher gemacht haben und welche speziellen Aufgaben sie haben.

Dann sind Sie an der Reihe: Von Ihnen wird erwartet, in zehn bis fünfzehn Minuten Ihren Werdegang zu skizzieren. Viele Bewerber orientieren sich an ihrem Lebenslauf, weil der chronologische Aufbau Sicherheit gibt.

Alternativ können Sie sich aber auch auf prägende Phasen in ihrem Lebenslauf konzentrieren. Allerdings sollten Sie dann zunächst herausstellen, dass Sie davon ausgehen, dass die wichtigsten Stationen aus den schriftlichen Unterlagen entnommen wurden und dass Sie sich nur auf die prägenden Phasen konzentrieren werden. Mit diesem Statement ist Ihnen die volle Aufmerksamkeit Ihres Gesprächspartners sicher – denn er weiß, er wird jetzt Neues über Sie erfahren.

Praxistipp

Egal, welche Variante Sie wählen, konzentrieren Sie sich niemals nur auf die Fakten. Diese hat Ihr Gesprächspartner bereits dem Lebenslauf entnommen. Beschreiben Sie, welche besonderen Kompetenzen und Eigenschaften Ihnen geholfen haben oder welche Sie entwickeln konnten. Was haben Sie getan, wenn es schwierig wurde, was fiel Ihnen bei der Arbeit in einem Team leicht oder wie haben Sie dazu beigetragen, etwaige Meinungsverschiedenheiten zu lösen. Selbst Dinge, die Sie außerhalb des Studiums getan haben sind interessant, wenn diese Ihre Persönlichkeit unterstreichen. Durch eine lebendige Sprache und ein selbstsicheres Auftreten können Sie mit all diesen Informationen zusätzlich Punkte sammeln.

Und immer gilt: Die Zeitvorgabe von etwa fünfzehn Minuten sollten Sie weder dramatisch unterbieten noch deutlich überschreiten.

Hinterlassen Sie ein eindeutiges Profil.

Rechnen Sie damit, dass Ihr Gesprächspartner im Gespräch immer mal wieder nachhakt. Es geht darum, auf diese Weise bestimmte Eigenschaften – wie etwa Motivation und zwischenmenschliches Verhalten – genauer zu ergründen.

Erinnern Sie sich noch an Ihre Kindheit? Damals fragten Sie bestimmt ganz oft bei Ihren Eltern „warum“, um dadurch Dinge besser verstehen zu können. Interviewprofis haben sich diese Gabe erhalten und nutzen sie, um Motive und Substanz aus den Antworten herauszuholen.

Ein besonders energisches Nachhaken kann darauf hindeuten, dass ein bestimmter Aspekt sehr wichtig ist. Vielleicht ist es aber auch nur der Versuch, zu sehen, wie Sie unter Stress reagieren. Ihr Gesprächspartner will herauszufinden, ob Sie der Aufgabe gewachsen sind, und ob Sie ins Team passen. Typische W-Fragen, mit denen „nachgebohrt“ wird, sind zum Beispiel: Welche Alternativen hatten Sie? Warum haben sie sich so entschieden? Welche Gründe hatten Sie noch? usw.

Auf dieses „Nachbohren“ sollten Sie auf keinen Fall mit Rückzug und zu knappen oder gar genervten Antworten reagieren. Besser, Sie zeigen Profil – mit allen Ecken und Kanten. Es kommt jetzt darauf an, die Gratwanderung zwischen selbstsicher und selbstkritisch zu meistern. Erfahrene Interviewer erkennen sehr schnell, wo sie „hineinstechen“ müssen, um bei allzu aufgeblasenen Bewerbern die Luft rauszulassen.

Praxistipp

Wenn Sie im Rahmen Ihrer Interviewvorbereitung die Überzeugungskraft Ihrer Antworten überprüfen wollen, dann bitten Sie einen Freund oder eine Freundin, mit Ihnen das Interview zu simulieren. Bitten Sie darum, mit einem schlichten „Warum?“ nachzuhaken, wenn Ihre Antworten als unklar oder zu schwammig empfunden werden. Und das ruhig solange hintereinander, bis die Karten auf dem Tisch liegen.

In Gesprächen mit Bewerber/innen habe ich es schon erlebt, dass ich aus einem Jobinterview komme und mich immer noch frage, was diesen Menschen – außer guten Examensnoten – eigentlich ausmacht. Bei einem solch diffusen Bild stehen die Chancen auf eine Einstellung schlecht.

Gute Fragen machen Sie interesant.

Im Normalfall dürften jetzt so etwa 30 bis 45 Minuten Gesprächszeit vergangen sein. Ihr Gegenüber werden Ihnen jetzt wahrscheinlich die Aufgabe und die Arbeitsbedingungen näher vorstellen. Danach erhalten Sie normalerweise die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Der größte Fehler, den Sie jetzt machen könnten, wäre es, keine Fragen zu stellen.

Nutzen Sie den Frageteil, um den Spieß umzudrehen. Immerhin wollen Sie vielleicht einen erheblichen Teil Ihrer Zeit in diesem Unternehmen und mit diesen Menschen verbringen. Da sollten Sie schon genau wissen, worauf Sie sich einlassen. Aber bitte nicht zu intensiv nachbohren. Weder Sie, noch Ihr Gegenüber befindet sich hier in einem Verhör.

Praxistipp

Eine wirklich gute Frage, die Ihnen weiterhilft, wäre zum Beispiel: „Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit hier?“ Und natürlich die passende Gegenprobe: „Was gefällt Ihnen weniger gut?“

Am Schluss die nächsten Schritte klären.

Jetzt haben Sie es fast geschafft. Die spannende Frage ist jetzt nur noch: Wie geht es weiter? Entweder Ihre Gesprächspartner sagen von sich aus, wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist. Falls nicht, dann frage sie unbedingt von sich aus danach. Im eigenen Interesse sollten Sie auf jeden Fall über den Fortgang des Bewerbungsprozesses gesprochen haben. Das schafft Verbindlichkeit und unterstreicht Ihre Professionalität. Denn auch später als Anwalt sollten Sie kein Meeting verlassen, ohne die folgenden Punkte geklärt zu haben: Wer macht was bis wann.

Nun heißt nur noch, sich selbst die Daumen zu drücken!

 

Ihr,
Torsten Schneider
Director Human Resources