Anwälte schnuppern Startup-Luft

(Lesezeit für den Erfahrungsbericht  4 Minuten)

Virtuos mit wilden Ideen zu jonglieren und in Gruppenarbeit Prototypen zu entwickeln gehört für Anwälte bei  weitem nicht zum Tagesgeschäft. Umso spannender war ein Workshop, der Associates von Luther die Startup-Mentalität und die Methoden digitaler Geschäftsentwicklung näher brachte.

An der Digitalisierung kommen auch Anwälte nicht vorbei

In nahezu allen Branchen sorgt die Digitalisierung für massive Umbrüche. Wer sich nicht anpasst, kann ganz schnell von der Bildfläche verschwinden. Das Kennen der Methoden und Denkweisen rund um die digitale Geschäftsentwicklung schafft ein besseres Verständnis, wie Unternehmen diesem Wandel begegnen. Auch arning Journeyfür uns als Anwälte ist das unverzichtbar, wenn wir die Herausforderungen unserer Mandanten genau verstehen und punktgenau beraten wollen.

„Beim Elevator Pitch musst Du auf den Punkt überzeugen“

„Noch zwei Minuten. Dann stellt ihr euren Prototypen vor!“ lautet die Ansage nach einem aufregenden Workshoptag. Doch der Reihe nach:

Der Weg in die Welt digitaler Geschäftsmodelle führt durch einen Wald kreativer Ideen und bunter Post-Its.   Uns – 10 Associates von Luther – führt er Anfang Februar in das Otto Bock Science Center in Berlin. Bei der „Luther Digital Journey“ der Luther academy lernen wir  in anderthalb Tagen die Methoden der Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle hautnah kennen.

Die Zeit ist vollgepackt mit den typischen Schritte eines modernen Startups – von der Idee über die Geschäftsmodellentwicklung bis hin zum Investoren-Pitch.

Kreative Ideen sind gefragt

Schon bei der Ideenfindung zu Beginn des Workshop wird klar: Hier geht es raus aus der Komfortzone. Für wohldurchdachte Ansätze und präzise Formulierungen ist keine Zeit. Es geht  darum, möglichst schnell möglichst viele Ideen, Gedanken und Assoziationen zu sammeln. Und dann iterativ zu verfeinern, zu verwerfen oder doch in eine völlig andere Richtung zu lenken – „pivotieren“, wie es so schön im Startup-Jargon heißt. Anything goes, aber nur in engen Zeitfenstern. Immer wieder unterbricht das Piepen des Timers die aktuelle Session und läutet den nächsten Arbeitsblock ein.

Unterteilt in zwei Gruppen exerzieren wir diverse Methoden durch. Ausgehend von Themen-Clustern erfolgt eine Stakeholder-Analyse. Dann werden Personas erstellt und lebhaft verkörpert. Die angewandten Kreativmethoden kosten oft Überwindung und erfordern jede Menge Spontaneität. Aber sie fördern die kontinuierliche Produktion beschriebener Post-Its.

Zwischendurch wird immer wieder hinterfragt, sortiert und priorisiert. Wir kommen uns ein bisschen so vor wie im Labor eines verrückten Alchemisten. Aus Ideen lässt sich Gold machen, man muss sie nur lange genug „challengen“ und richtig kombinieren.

“Denkt radikaler“

Als wir uns mit Methoden wie dem Business Model Canvas zielstrebig in Richtung konkreter Geschäftsmodelle bewegen, offenbart sich eine Kluft zwischen Bekanntem und Neuem. Schnell wird klar, dass im digitalen Geschäft Aspekte im Vordergrund stehen, mit denen wir im Arbeitsalltag in keiner Weise konfrontiert sind. „Wie skaliert das denn?“ Und „kann man weitere Akteure gewinnbringend einbeziehen?“ Bei den ersten Geschäftsentwürfen stellen die Moderatoren/innen fest, dass zu viele Mauern mitgedacht sind. Schritt für Schritt entfernen wir uns von dem heutigen Geschäft im Rechtsmarkt. Die Devise lautet: „Denkt radikaler!“ Die immer gleichen Standardverträge aufsetzen? In fünf Jahren macht kein Mensch mehr diese „Schimpansenarbeit“. Mitarbeiter im Rahmen der Sozialauswahl selektieren? Das kann schön die Maschine machen. Aber am besten gleich gekoppelt mit einer Plattform für Headhunter zur Weitervermittlung, um Provisionen einzustreichen und sozialer Verantwortung nachzukommen.

Vernetzung mit der Startup-Szene

Der Tag endet mit einem Ausflug ins Herz der Berliner Startup-Szene. Beim „First Tuesday“ von MHP zum Themenkomplex „Augmented and Virtual Reality“ gibt es zu Bier, Limo und Hot Dogs reichlich Gelegenheit, mit Gründern zu sprechen und den Tag Revue passieren zu lassen. Auf der Bühne stellen mehrere Startups in einem fünfminütigem Pitch-Format ihre Ideen vor. Genau diesen Schritt simulieren wir mit den selbst erarbeiteten Ansätzen am zweiten Tag des Workshops. Hier kommen insbesondere die rhetorischen Fertigkeiten der Juristen zur Geltung.

Fazit

Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass die Welt neuer Geschäftsmodelle nicht nur andere Arbeitsweisen, sondern auch ein völlig anderes Mindset erfordert. So ist die Experimentierfreude eine der wenigen Konstanten im Angesicht des digitalen Wandels. Für die Teilnehmer des Workshops geht es jetzt darum, diese Offenheit gegenüber neuen Ideen zu bewahren und in den Arbeitsalltag mitzunehmen.

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