Weiterbildung zwischen Schein und Wirklichkeit

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Beinahe alle Großkanzleien werben mit ihren Weiterbildungsangeboten. Dazu gehören fachliche Fortbildungen ebenso, wie Angebote für die Entwicklung von Soft Skills. Doch wie bekommen Sie heraus, was wirklich hinter den Versprechungen und Hochglanzbroschüren steckt?

„Auf Ihrer Homepage habe ich gesehen, dass die Kanzlei Weiterbildungsprogramme anbietet. Können Sie mir mehr dazu erzählen?“  Nervös streicht sich Robert Klattmüller die Haare aus der Stirn und schaut sein Gegenüber erwartungsvoll an. Der junge Rechtsanwalt ist von einer Großkanzlei zum Bewerbungsgespräch eingeladen worden. Sein Gesprächspartner ist ein resoluter Mittvierziger, der schon bald sein Chef sein könnte. Der erfahrene Jurist bejaht die Frage nach dem Weiterbildungsangebot: „Unser Programm ist sehr umfangreich. Eine Broschüre mit dem ausführlichen Angebot erhält jeder Berufseinsteiger am ersten Arbeitstag. Da können Sie alles in Ruhe nachlesen.“

Was im ersten Moment vielversprechend klingt, kann sich im Nachhinein als Mogelpackung erweisen.

Praxistipp: Konkret nachfragen.

Damit Sie im Job später keine Überraschung erleben, empfehle ich jedem Berufsstarter, beim Bewerbungsgespräch in der Kanzlei konkret nachzuhaken. Fragen Sie ganz konkret, wie die Weiterbildungsangebote in der Praxis tatsächlich umgesetzt werden.

Nachfolgend als Bespiele ein zwei Fragen, die ich für besonders wertvoll halte:

„Ab wann kann ich an Seminaren zur Entwicklung von Soft Skills teilnehmen?“

Es ist wichtig für Sie zu wissen,  ob Sie schon frühzeitig – am besten direkt nach Berufsstart – auch an Trainings für die Weiterentwicklung von Soft Skills teilnehmen können. Denn eine Hochglanzbroschüre genügt nicht, um abzuschätzen, ob die Kanzlei bzw. (noch wichtiger) der zukünftige Chef dem Thema Weiterbildung tatsächlich einen hohen Stellenwert beimessen – oder ob Sie als Berufsanfänger nachher ein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn Sie die Angebote nutzen.

Dass die fachliche Fortbildung nötig ist, leuchtet jedem sofort ein. Doch gerade dei Soft Skills sind es, die aus einem guten Juristen einen gefragten Rechtsanwalt machen. Um Mandanten überzeugend beraten zu können, sind Know how und Erfahrung für einen optimalen Gesprächsaufbau, ein souveränes Auftreten bei Präsentationen sowie Verhandlungskompetenz unverzichtbar. Dies sind nur ein paar Beispiele. Doch allen Soft Skills ist eines gemeinsam: Erst die Übung macht den Meister. Die Weiterentwicklung der eigenen Soft Skills ist auch deshalb so wichtig, weil diese in der Ausbildung während des Studiums und im Referendariat immer noch zu kurz kommen.

„Kann ich die Angebote individuell auswählen oder gibt es ein vorgeschriebens Curriculum?“

Es gibt gute Argumente für die individuelle Auswahl und ebenso gute Argumente für ein festes Curriculum. Für die Luther academy haben wir uns für die individuelle Auswahl entschieden.

Jobeinsteiger ist nicht gleich Jobeinsteiger. Und dennoch lassen sich einige allgemeingültige Faustregeln für den Aufbau eines sinnvollen Weiterbildungsangebotes formulieren. Gut ist in jedem Fall, wenn sich Berufsstarter aus einem Standardrepertoire an Weiterbildungskursen die für sie geeigneten Bausteine zusammenstellen können. „Ich empfand den BWL-Kurs als sehr hilfreich“, erzählt mir zum Beispiel Dr. Felix Stamer, der als Senior Associate im Düsseldorfer M&A-Team von Luther tätig ist. „Eine Bilanz analysieren und den Wert eines Unternehmens ermitteln zu können, lernt man nicht unbedingt im Jurastudium. Auch als Rechtsanwalt muss man aber wissen, wie das geht, um bei M&A-Transaktionen beraten zu können.“

Für Christiane Juhnke, die als Associate im Kölner Real Estate-Team von Luther arbeitet, waren die Themen Rhetorik und Präsentation besonders entscheidend. „Ich finde, das richtige Auftreten kann man nicht oft genug üben. Dadurch gewinnt man Sicherheit und kann sich ganz auf die Sache konzentrieren.“ Auch Dr. Felix Stamer hat – neben dem BWL-Kurs – das kanzleiinterne Rhetorik-Training bei einem erfahrenen Coach besucht: „Wir haben Verhandlungssituationen simuliert. Dabei haben wir bestimmte Verhandlungstypen und Gesprächsmuster durchgespielt, die in der Praxis häufig vorkommen. Das erlangte Wissen hat mir geholfen, mich im Anwaltsalltag genauer auf den Verhandlungspartner und die jeweilige Verhandlungsposition einstellen zu können.“

Über die Luther academy

In der Luther academy haben wir unsere Weiterbildungsangebote gebündelt. Sie wird von zwei Säulen getragen: der Luther Law School sowie dem Luther Campus. Die Weiterbildung startet bereits mit dem Eintritt in die Kanzlei und begleitet den beruflichen Weg kontinuierlich. Die Luther Law School fokussiert die fachliche Weiterbildung im juristischen und steuerlichen Bereich. Hierzu gehört auch ein kanzleiinterne Ausbildung zum Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht. Andere Fachanwaltsausbildungen werden über externe Anbieter gefördert. Beim Luther Campus die Entwicklung von Soft Skills im Mittelpunkt. Zu den am meisten genutzten Angeboten des Luther Campus gehören die ein- bzw. mehrtägigen Workshops zu Rhetorik, Präsentation, Verhandlungsperformance, Legal Writing und Business Development.

Ihr,
Torsten Schneider
Director Human Resources