Secondment in Shanghai

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Im Interview schildern zwei Kollegen Ihre Erfahrungen mit einem Secondment im Luther Büro in Shanghai.

Felix Stamer, Senior Associate an unserem Standort Düsseldorf, absolvierte von Oktober 2013 bis Februar 2014 ein Secondment in unserem Shanghaier Büro. Mitte Februar 2014 ist unser Senior Associate Katja Neumüller für fast vier Monate von Köln nach Shanghai gereist und arbeitet bei und mit den Kollegen vor Ort. Im Interview berichten die beiden über ihre Erfahrungen in Fernost.

Wie kam es zum Secondment im Shanghai?

Felix Stamer: Im Rahmen von M&A-Transaktionen hatte ich in der Vergangenheit schon wiederholt das Glück, mit den Shanghaier Kollegen zusammen arbeiten zu dürfen. Der China-Bezug der Transaktion ergab sich dabei regelmäßig daraus, dass die betreffende Zielgesellschaft auch über eine oder mehrere Tochtergesellschaften in China verfügte. Da wir eine Zunahme der M&A-Transaktionen mit Chinabezug, insbesondere auch von Akquisitionsvorhaben chinesischer Investoren in Deutschland beobachten, wurde ich in Düsseldorf gefragt, ob ich mir zur Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Shanghaier Kollegen ein mehrmonatiges Secondment in Shanghai vorstellen könne. Die Antwort fiel mir nicht schwer…

Katja Neumüller: Seit etwa drei Jahren bin ich in unserem Asien-Team in Köln tätig mit einem Schwerpunkt auf China. In vielen Projekten arbeiten wir eng mit unseren Kollegen aus Shanghai zusammen. Die Projekte sind dabei sehr vielfältig. Zum einen beraten wir deutsche Mandanten, die sich in China erstmals niederlassen oder auf dem chinesischen Markt expandieren möchten, sei es in Form der Neugründung, eines Joint Ventures oder im Rahmen einer M&A-Transaktion. Darüber hinaus beraten wir auch chinesische Unternehmen, die den Markteintritt in Deutschland planen, unter anderem durch einen Börsengang an der Frankfurter Wertpapierbörse. Aufgrund der engen Zusammenarbeit mit unserem Büro in Shanghai stehe ich mit den meisten Shanghaier Kollegen in regem Kontakt. Aus diesem Grund war es mir wichtig, mit den Kollegen auch einmal persönlich zusammenzuarbeiten und den Kontakt weiter auszubauen. Hierfür bot sich ein Secondment in unserem Shanghaier Büro bestens an.

Worin lagen die größten Herausforderungen?

Felix Stamer: Nach meiner Ankunft in Shanghai zeigte sich schnell, dass die zunächst vielleicht größten Herausforderungen in den ganz banalen Dingen des Alltags liegen können: Wie fragt man auf der Straße nach dem Weg, wenn weder der Fragende noch der Befragte eine gemeinsame Sprache sprechen und wie vermeidet man im Restaurant Überraschungen, wenn die Speisekarte lediglich in chinesischen Schriftzeichen verfügbar ist? Mit einem gewissen Maß an Pragmatismus und Aufgeschlossenheit ließen sich diese und andere Herausforderungen des Alltags aber schnell meistern. Zupass kam mir auch, dass ich mich im Rahmen meines Studiums schon einmal an der chinesischen Sprache versucht hatte und auf diese Weise bei der Alltagskommunikation nicht ganz bei null anfangen musste. Eingefunden habe ich mich letztlich sehr schnell, was ich in erster Linie den Shanghaier Kollegen zu verdanken habe, die mich so freundlich aufgenommen und von Anfang an voll in das Team integriert haben.

Katja Neumüller: Bereits 2010 war ich für mehrere Monate in unserem Büro in Singapur tätig und hatte dort in einer Wohnung mit Chinesen zusammen gewohnt. Auch durch die Beratung chinesischer Unternehmen bei ihren Börsengängen in Deutschland war mir die chinesische Kultur nicht ganz fremd. Die größten Herausforderungen nach meiner Ankunft in China ergaben sich daher aus den alltäglichen Dinge wie dem Taxifahren, dem Einkaufen im Supermarkt oder aber dem Bedienen der nur mit chinesischen Schriftzeichen versehenen Waschmaschine. Hier war ich anfangs auf die Unterstützung unserer chinesischen Kollegen angewiesen, die mir glücklicherweise auch die chinesischen Schriftzeichen auf der Waschmaschine übersetzt haben. Zudem bekam ich viele wertvolle Tipps von unseren deutschen Kollegen und nahm auch gleich nach meiner Ankunft in Shanghai Chinesischunterricht. Hierdurch lernte ich sehr schnell in chinesischer Sprache dem Taxifahrer den Weg zu beschreiben, im Supermarkt nach bestimmten Lebensmitteln zu fragen oder aber im Restaurant das Essen zu bestellen.

Wie war Ihr Arbeitsalltag in Shanghai?

Felix Stamer: Unser Shanghaier Büro liegt im Herzen von Lujiazui, dem Bankenvierteil des Shanghaier Stadtteils Pudong. Morgens das Büro zu betreten, war beinahe wie nach hause zu kommen. Denn es bot in der Ferne viel Vertrautes: Unser Brand rund um den „Punkt“ war allgegenwärtig und fast alle der chinesischen Kollegen sprachen wie selbstverständlich neben Englisch auch sehr gut Deutsch. Das reichlich anfallende Geschäft wurde zumeist in interkulturellen Teams bestehend aus jeweils einem oder mehreren chinesischen und einem oder mehreren deutschen Kollegen bearbeitet. Gerade diese interkulturelle Komponente der Zusammenarbeit empfand ich als sehr bereichernd. Auch außerhalb des Büros bestanden vielfältige Gelegenheiten zum Networking. Dabei zeigte sich, dass die Wege zu den Entscheidern in den deutschen Unternehmen in Shanghai deutlich kürzer als in Deutschland sind und der Name „Luther“ dank der hervorragenden Vernetzung der Shanghaier Kollegen in der deutschen Business Community allseits bekannt und sehr geschätzt war. Eines der besonderen Highlights meiner Zeit war sicherlich der Besuch eines großen chinesischen Unternehmens, bei dem wir nach einem typischen chinesischen Geschäftsessen und einer ausführlichen Unternehmensführung in Kooperation mit einer deutschen Investitionsfördergesellschaft vor der Unternehmensleitung einen Vortrag zu den rechtlichen Rahmenbedingungen von Direktinvestitionen in Deutschland halten konnten.

Katja Neumüller: In den letzten Jahren ist unser Büro in Shanghai stetig gewachsen und so hieß es Mitte April 2014 Kisten packen. Luther Shanghai ist in ein größeres Büro gezogen, welches im AZIA Center nur unweit des bisherigen Standorts in Pudong liegt. Bei dem Umzug packten alle Kollegen mit an, was die von Felix beschriebene interkulturelle Teambildung noch einmal verdeutlichte. Als sehr angenehm empfand ich, dass man sich mit den Kollegen in unserem Shanghaier Büro in verschiedenen Sprachen verständigen kann, was auch von den Mandanten sehr geschätzt wird. So rief mich ein Mandant aus Deutschland an mit der Bitte, eine Angelegenheit der in Shanghai registrierten chinesischen Tochtergesellschaft zusammen mit unseren chinesischen Kollegen zu klären, da die Verständigung des deutschen Mutterhauses mit dem lokalen Manager teilweise sehr schwierig sei. Die interkulturelle Teambildung zeigte sich aber auch bei anderen Gelegenheiten: So hielt ich an der Universität Nanjing vor chinesischen und einem deutschen Studenten ein Seminar zum Thema „Joint Venture Enterprises“ sowie in Nantong vor chinesischen Unternehmen einen Vortrag zum Thema „Outbound Investment into Germany“. Darüber hinaus nahm ich Termine mit unseren chinesischen Mandanten wahr, die wir bei Börsengängen in Deutschland beraten hatten oder noch beraten und bekam so einen Einblick in deren Produktionsanlagen. Aber auch außerhalb des Büros fand ich sehr schnell Anschluss. Neben zahlreichen Networking- und von Luther organisierten Mandanten-Veranstaltungen besuchte ich deutsche Stammtische, um so mit Expats von deutschen Unternehmen in Shanghai in Kontakt zu kommen. Oft waren auch chinesische Mitarbeiter, die für deutsche Unternehmen in Shanghai tätig sind und gerne Deutsch sprechen, bei den Veranstaltungen und Stammtischen vertreten.

Wie lautet Ihr Fazit nach der Rückkehr?

Felix Stamer: Das Secondment in Shanghai war sowohl beruflich als auch persönlich eine absolute Bereicherung. Die Erfahrungen mit der chinesischen Kultur und den in China bestehenden Größenordnungen haben mir geholfen, auf viele Punkte einen ganz neuen Blickwinkel zu gewinnen. China ist ein sehr vielschichtiges und faszinierendes Land mit einem wohl weiterhin ungeheuren Potential für die deutsche Wirtschaft im Allgemeinen und uns als Rechtsanwaltsgesellschaft im Besonderen. Die Qualität und Größe unseres Shanghaier Büros bietet uns gegenüber vielen Wettbewerbern einen Vorteil, den wir noch stärker als bislang pflegen und zum allseitigen Nutzen fruchtbar machen sollten.

Katja Neumüller: Während meiner Zeit bei Luther in Shanghai habe ich sehr viele neue Eindrücke sammeln können, die ich beruflich und auch privat nicht missen möchte. Sicherlich habe ich durch unsere Projekte mit China-Bezug bereits einige Erfahrungen im Umgang mit chinesischen Mandanten sammeln können, mehrere Monate in dem Land zu leben lässt einen aber hinter die Kulisse blicken. Neben dem persönlichen Kontakt zu unseren Shanghaier Kollegen und der Vernetzung unserer Luther Büros war es für mich auch wichtig, die chinesische Kultur und die lokalen Gepflogenheiten noch näher kennenzulernen, um den Kontakt zu unseren chinesischen Mandanten weiter ausbauen zu können. Und ein chinesisches Sprichwort lautet insofern: aus einer Reise mit zehntausend Meilen lernt man mehr als aus zehntausend Büchern.